ZWISCHENSINN meist befinde ich mich auf der suche. leider und glücklicherweise komme ich nie an.
 
 

Teil 6 – Eigene Erfahrung der Leere

Teil 6 (von 7) der philosophischen Auseinandersetzung zu der Thematik

„Mit sich selbst verbunden  -  von sich selbst getrennt“

 

Eigene Erfahrung der Leere

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es verdammt schwer ist, dort hin zu kommen, wo alles Ok ist und man sich wirklich aufgehoben und glücklich fühlt. Besonders schwer ist es für diejenigen, die seit Beginn ihres Lebens das Gegenteilige erlebt haben. Als Kind ist man von den Eltern abhängig und noch unfähig sich selbst zu schützen. Später ist es dann sehr schwer, sich ein gutes Umfeld und ein gutes Leben zu ermöglichen, weil man sich die Voraussetzung dafür erst einmal selbst geben muss… (vgl. Teil 5)

Gewalterfahrungen gehörten zu meiner Kindheit, wie das Salz zum Meer. Meine Eltern haben mich als Säugling nachts schreien lassen und dafür gesorgt, dass sich das Urvertrauen (*) sehr mangelhaft entwickeln konnte. Mein Vater hat mich öfters wegen Nichtigkeiten übers Knie gelegt, dann heftig mit Kochlöffel oder Hausschuh auf den nackten Hintern geschlagen. Psychische Gewalt durch Zwang, Ablehnung, Bewertung und Unverständnis waren ebenfalls Bestandteil meiner Erziehung. Ständiger Begleiter war die Angst: Angst vor physische und psychische Verletzung, Angst vorm schutzlosen Ausgeliefertsein, Angst vor dem Allein gelassen werden, Angst den Ansprüchen nicht zu genügen, Angst Fehler zu machen.

Diese Erfahrungen machten mich zu einem kritisch beobachtender Einzelgänger meiner Umwelt. Über die Trennung meiner Eltern war ich froh, weil das Angstobjekt Vater verschwand. Später, in der Realschulzeit, fand ich eine Freundin, die die Familie ersetzte. Allerdings ging diese wichtige Beziehung in die Brüche, weil sie sich auf die Seite eines Mädchens stellte, die mich zusammengeschlagen hat.

Eine weitere Enttäuschung, mit der ich allerdings gelernt hatte umzugehen… Danach (ab dem 14.ten Lebensjahr) bestimmten Partys, Sex und Alkohol mein Leben. Auf der ständigen Suche nach der flüchtigen Liebe in Form von lockeren Kontakten und deren oberflächigen Zuneigung, egal ob sie meiner Person galten oder nicht (setzte es wegen oben beschriebenen Erfahrungen auch nicht voraus). Dieser Lebensstil begünstigte große Sinnlosigkeit und innere Leere.

Nachdem ich durch eine neue Pille 8 Kilo in kürzester Zeit zunahm, war ich so schockiert, dass ich eine Essstörung entwickelte. Ich wollte schlank bleiben, weil meine körperliche Attraktivität das Konstrukt der oberflächigen Zuneigung aufrechterhielt. Das Verlangen nach Essen, nach ausgefüllt sein und nach dem sinnlichen Genuss des Essens war ständig so groß, dass ich mich regelmäßig vollstopfte um es dann aus Angst vor Gewichtszunahme und vor den Verlust der damit verbundenen Zuneigung zu erbrechen.

Und trotzdem war etwas von der bedingungslosen Liebe meiner Mutter und von der Naturverbundenheit meines Vaters übriggeblieben, sodass die Hoffnung und die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben aufkeimen konnte. Dieser Umstand und ein starker Selbsterhaltungstrieb veranlassten mich schon früh zu einer Therapie.

Heute lebe ich ohne Essstörung, aber noch lange nicht wirklich glücklich. Die Angst überschattet immer noch den Zugang zum heilen innersten Kern, aus der die universellen Liebe und die grenzenlose Energie strömt (was ich damit meine, habe ich in den vorherigen Teilen beschrieben). Ich weiß, dass ich mit der Leere leben muss und dass die Zufriedenheit und das Wohlgefühl nicht selbstverständlich sind. Gerade deswegen muss ich viel kämpfen, damit ich in diesen positiven Zustand gelange.

 

(*) Erklärung des Urvertrauens, deren Bildung und Bedeutung für die emotionale Stabilität unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Urvertrauen

 

 

 

29.9.13 16:58

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